(UK) Mit dem Flugzeug über das Mittelmeer zu einem Motorradrennen zu
fliegen, klingt noch plausibel, man könnte ja auf dem Weg sein zur
Rennstrecke nach Jerez in Andalusien.
Spannend wird es spätestens, wenn man noch die Sahara- Wüste überquert
und Länder wie Zaire, Sambia und Botswana überfliegt. Wer als
Ziel dann immer noch eine Rennstrecke im Visier hat, ist in der Regel Berufsrennfahrer
auf zwei oder vier Rädern und auf dem Weg zu den Racing- Pisten der
Republik Südafrika.
Etwa nur ein Dutzend deutsche Rennfahrer sah man hier in den letzten Jahren
beruflich am Lenker drehen. Immerhin vier Sachsen zählten zu dieser
auserlesenen Mannschaft. Steve Jenkner, Jarno Müller, Dirk Heidolf
und der Dresdner Ronny Melkus (Opel STW) hatten aus sächsischer Sicht
bereits das Vergnügen, oder besser gesagt den Stress, in Afrika Rennen
zu fahren.
Blick aus dem Jumbo auf Johannisburg
Nach 10 bis 13 Stunden Flug, meist in der Nacht und über beeindruckende
Gewitter in Zentralafrika, ist es geschafft, der Jumbo kreist zum Landeanflug
über Johannisburg.
Die Prozedur bei der Zoll- und Passkontrolle dauert dann etwas länger,
man freut sich aber, endlich mal die Beine vertreten zu können. Probleme
sind in der Regel mit den Behörden nicht zu erwarten. Dann heißt
es Mietwagen schnappen und ab in Richtung Süd- Westen.
Dabei geht es total verkehrt herum. Linksverkehr ist angesagt! Und wer nicht
gleich hinter der Flughafenausfahrt von Johannisburg dann auch links abbiegt
auf die Straße 1, verirrt sich in der riesigen Stadt!
Bei Panne heißt es warten, bis der Nächste kommt, oft ein
paar Stunden.
Nach den vielen Stunden Flug ist die Fahrt durch die Gettos am Rande der
Straßen von Johannisburg, in Richtung Welkom, kein Sonntagsausflug.
Über 200 km durch die Steppe von Südafrika sind es noch bis Welkom,
der Ort des südafrikanischen Grand Prix. Zu sehen gibt es nichts, außer
riesige Wellblechsiedlungen der Schwarzen und ab und zu einen Bauernhof.
Die guten und leeren Straßen außerhalb von Johannesburg verleiten
zum Gas geben.
Doch aufgepasst! Bei 160 km/h endet der Bußgeldkatalog der hiesigen
Polizei, und wer schneller ist, muss normalerweise hinter Gitter. Dabei
springt die Polizei gern aus Verstecken raus, bewaffnet bis an die Zähne.
Nur mit Tricks und vielen Dollars erlebt man dann vielleicht noch den Grand
Prix!
Tipp für Bleifußpiloten: Beim Fahren im 190 km/h Bereich
sollte man so ca. 300 Dollar für die Polizeibeamten parat haben.
Hat man das Ganze gut gemeistert, fährt man ein in das kleine freundliche
Städtchen Welkom, den Austragungsort des Südafrika GP.
Der ganze Tross des Moto GP belagert die Stadt der hiesigen Goldgräber.
Der Goldabbau in den Schächten um die Stadt beschäftigt tausende
Leute hier, Weiße in gehobenen Positionen mit tollen Verdienstmöglichkeiten
und Schwarze für ein Butterbrot von umgerechnet 10 € je Tag. (
12 Stunden eine Schicht unter Tage ) Die schlechten Arbeitsbedingungen für
die Schwarzen in den 2.500 Meter tiefen Schächten, dies bei ca. 40
Grad, sprengen jegliches Vorstellungsvermögen.
Welkom selbst ist eine "weiße Stadt". Gute Bars, Diskotheken
und schöne Geschäfte lassen nichts ahnen von den ringsum liegenden
Gruben, wo tagtäglich tausende Schwarze am Existenzminimum in den größten
Goldlagerstätten der Welt Ihr Dasein verdienen.
An den Eingängen zu den Geschäften und Bars prangert oft ein Schild
"Schwarze nicht erwünscht". Schaut man nicht hinter
die Kulissen, fühlt man sich eigentlich wie in einer europäischen
Kleinstadt. Alle Leute der Racing- Tour sind wieder hier, aber nur wenige
werden Zeit haben, einen Blick auf die Gettos der Schwarzen zu werfen oder
gar in eine nicht für Touristen zur Schau stehende Goldgrube einzufahren,
so wie Steve's Crew im Jahr 2000.
Die Racefans zu Hause bekommen TV- Bilder von Giraffen und Elefanten via
Sat. auf die Bildschirme gezaubert, Bilder aus den Nationalparks Südafrikas.
Tatsache ist jedoch, dass man hier kein einziges wildes Tier zu sehen
bekommt!
Spitzensport ist Geschäft, und schon stellt sich für
den GP Zirkus das normale Gefühl ein, d.h. für Rennprofis, den
richtigen Ort auf dem Erdball erreicht zu haben.
Die meisten Teams und Offiziellen schlafen im Hotel "Welkom Inn",
das schönste Hotel im Ort. Alle anderen Hotels sind aus europäischer
Sicht eher wie Jugendherbergen ausgestattet und oftmals etwas schmutzig.
Steve Jenkner hat sich verdrückt. Er hat Quartier bezogen auf einem
entlegenen Bauernhof, den man nur über Schotterpisten und nach genauer
Wegbeschreibung erreicht. Die Quartiergeber, eine weiße englisch sprechende
Familie, kennen den Deutschen schon aus vergangenen Jahren und fiebern mit,
wenn Sie Ihren Gast auf der hiesigen Rennstrecke fahren sehen. Jenkner ist
überhaupt in Südafrika ein guter Begriff für die Einheimischen.
So bekam sein Team schon im Jahr 2000 kostenlos in einer Autowerkstatt eine
Panne behoben; bezahlt wurde mit Aufklebern und Race Caps mit der Startnummer
#17.
Vom Jenkner Quartier ist es eine gute halbe Autostunde bis zur Rennstrecke.
Steve fährt quasi von der Ruhe eines Bauernhofes direkt in das Getümmel
eines der ruhigsten GP der Saison.
Die Rennstrecke
Ein kleines Fahrerlager mit kleinen einstöckigen Boxen bestimmen das
Bild des Arbeitsortes am GP Wochenende in Südafrika. Die 125 cc Klasse
lebt in Zelten hinter der eigentlichen Boxenanlage, welche für die
Moto GP Teams reserviert ist. Also liebe FIM, es geht auch so, mag man sich
am Sachsenring fragen. Hinter den Boxenzelten stehen die Teamcontainer mit
Klimaanlage, der beliebteste Aufenthaltsort der Fahrer. Dahinter gibt es
in Zelten genügend Essen und Trinken für Jedermann. Für rund
20 Dollar kann man Mittagessen.
Afrikanische Tanzgruppen im Fahrerlager, der Hingucker!
Die Tribünen sind Freitag und Samstag zum Training leer. Zum Renn-
Sonntag mögen etwa 30.000 Zuschauer den GP live verfolgen, alles Weiße,
vorrangig angereiste Motorrad- Fans aus Johannisburg. Der Eintritt kostet
keinesfalls über 50 Dollar. Den GP selbst finanziert vorwiegend der
Tourismusverband der Region um Welkom.
Vor den Toren der Stadt, so etwa 30 Minuten Autofahrt, liegt der besagte
Phakisa- Circuit. Der Bau dieser Rennstrecke begann im September 1998, auf
dem Gebiet eines alten Goldfeldes. Im April 1999 waren die Pisten und die
Boxen bereits fertig gestellt und es fand ein nationales Rennen statt. Die
Strecke ist 4,24 km lang, dazu eingebettet ist ein 1,5 Meilen Oval.
Der Kurs
Länge: 4242m
Breite: 12m
Höhenunterschied: 6,3m
Höhe über Meeresspiegel: 1.350m
Geographisch gelegen: 27054' Süd 26043' Ost
Erstaunlich für alle, wir befinden uns hier in über 1 300 Meter
über dem Meeresspiegel, was die Luft sehr dünn werden lässt.
Die Motoren haben deshalb weniger Leistung, und die Techniker haben mehr
Stress, mit dieser Situation fertig zu werden. Die Rennstrecke hat ein völlig
integriertes CCTV- System mit 18 Streckenkameras, die benutzt werden, um
jeden Meter der Rennstrecke zu überwachen. Der Kurs hat die Kapazität
um 60.000 Zuschauern optimale Sichtverhältnisse zu bieten. 15.000 Parkplätze
stehen zur Verfügung.
TV Bilder vom Großen Preis von Südafrika erreichen nach hiesigen
Angaben mehr als 350 Millionen Zuschauer in 200 Ländern mit einer gesamten
Übertragungszeit von 183 Stunden. Der Marktwert dieser Werbung für
diese Region beträgt einige Millionen an Dollars, so rechnete dies
der Tourismusminister aus, und er ist es auch, der offenbar den GP gern
finanziert.
Und möge man dem heutigen Moto- GP Chef von Kawasaki, Harald Eckl glauben,
verläuft die Saison für Jenkner so gut oder so schlecht wie die
ersten Übersee- GP belegen. Bestätigt Jenkner seinen Podiumsplatz
von Suzuka? Wenn ja, dann prognostizieren also die Fachleute Titelchancen!