Im Moment deutet alles darauf hin, dass Sie Ihre Karriere beenden. Werden
Sie sich in diesem Jahr komplett aus dem Motorsport zurückziehen?
Steve Jenkner: Komplett aus dem Motorsport mit Sicherheit
nicht - aber vielleicht von der aktiven Bildfläche.
Sie haben unheimlich viele Fans in Deutschland. Was hat Sie letztendlich
bewogen, diese schwere Entscheidung zu treffen?
Steve Jenkner: Der Hauptgrund ist mit Sicherheit,
dass es immer, immer schwieriger geworden ist, konkurrenzfähiges Material
zu bekommen, weil die Kosten in die Höhe schnellen. Ich habe aufgrund des
Alterslimits von der 125er, was noch relativ gut finanzierbar war für unser
Team, in die 250er wechseln müssen. Das war schon letztes Jahr eher ein
Kampf mit dem letzten Euro, als ein Kampf in der Weltmeisterschaft gegen die
anderen Fahrer.
Es ist also schwer, Sponsoren zu finden, gerade in Deutschland - wie man
ja sieht. Hand aufs Herz: Gibt es keine Chance mehr, dass wir Steve Jenkner
in der Zukunft nochmal auf dem Motorrad sehen?
Steve Jenkner: Aus eigener Kraft habe ich alles versucht,
ein neues Team und Sponsoren zu finden, die das so tragen würden, dass
ich auch wieder - sagen wir mal - unter den ersten Zehn oder den ersten Fünf
der WM fahren könnte. Das hat aber nicht funktioniert. Das Geld ist nicht
da, und ein Team ist auch nicht da bis zum heutigen Tag. Jetzt ist es dafür
ein bisschen zu spät. Aber ganz definitiv ist es nicht, denn es kann immer
so viel passieren in der WM, dass irgendein Fahrer ausfällt oder ein Team
doch noch einen Sponsor findet. Das ist alles sehr, sehr schnelllebig. Von daher
habe ich das auch noch nicht so definitiv gemacht, aber aus eigener Kraft glaube
ich nicht, dass irgendwas möglich ist.
Das heißt, Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben?
Steve Jenkner: Die Hoffnung stirbt immer zuletzt,
aber das ist ein sehr geringer Prozentsatz, den ich da noch dransetze.
Sie haben ja viele Erfolge gefeiert, gerade in der 125er-Klasse. Im letzten
Jahr lief es ja dann nicht so gut in der 250er-Klasse. Welche Spuren hat denn
die Saison 2005 hinterlassen?
Steve Jenkner: Sie hat trotz der Nichterfolge sehr
viel Spaß gemacht. Wir waren im Prinzip bei einigen Rennen für unsere
Verhältnisse im Privatfahrerbereich auch schnell und bester Privatfahrer.
Aber die Zweiklassengesellschaft zwischen Werksfahrer und Privatfahrer ist in
der 250er so groß, dass es einem, der in der 125er mal vorne mitgefahren
ist und auf dem Podest gestanden hat, nicht sehr viel Spaß machen kann,
sich damit zu begnügen, Zwölfter oder 15. zu werden.
Nach neun Jahren in der Motorrad-WM und vielen Punkten, die Sie eingefahren
haben - Welches Rennen bleibt Ihnen da besonders in Erinnerung?
Steve Jenkner: Oh, das sind viele. Besonders gut haben
mir die Rennen gefallen, wo wir von einer schlechten Position aus ins Rennen
gegangen sind oder einen schlechten Start gehabt haben und dann Aufholjagden
gefahren sind. Da sind am meisten Überholmanöver dabei - da war zum
Beispiel Valencia 2002 ein sehr gutes Rennen. Und natürlich der Sieg in
Assen war auch schön - klar.
Aufgrund Ihrer Erfahrung wissen Sie genau, worauf es im Motorsport ankommt.
Wenn Sie jetzt zurücktreten, was geben Sie den jungen Piloten mit auf den
Weg? Welche Tipps würden Sie geben?
Steve Jenkner: Ich möchte schon probieren an
solch einer Sache zu arbeiten. Da gibt es jetzt kein Allheilmittel, aber es
gibt viele Sachen, die wir früher gemacht haben, die heute ein bisschen
vernachlässigt werden: Im Training, im Aufbau von ganzen Rennfahrern. Das
denke ich, könnte ich schon einbringen.
Das heißt, Sie sehen Ihre Zukunft auch in der Förderung der Jugend?
Steve Jenkner: Das würde mir gut gefallen, ja.
Könnten Sie sich auch vorstellen, nachdem ja die Verträge mit dem
Sachsenring verlängert worden sind, auch organisatorisch Aufgaben zu übernehmen
oder haben Sie da noch andere Pläne für die Zukunft? Oder könnten
Sie sich vorstellen, beim Deutschland-Grand-Prix organisatorisch tätig
zu werden?
Steve Jenkner: Das würde zwar nahe liegen, weil
ich hier wohne. Aber ich denke, der Grand Prix ist ganz gut besetzt. Mich würde
schon mehr reizen, mit jungen Leuten zu arbeiten und die nach vorne zu bringen.
Im Prinzip fehlen in Deutschland die Talente. Ich denke aber eigentlich, dass
sie da sind und nur nicht richtig gefördert werden.
An welcher Stelle würden Sie da ansetzen?
Steve Jenkner: Das kommt drauf an. Das ist auch wieder
vom Geld abhängig. Am besten wäre es, ein Team in der Deutschen Meisterschaft
einsetzen zu können oder in der Europameisterschaft. Aber da muss man erst
einmal klären, ob das finanziell möglich ist.
Interview-Partner/Eurosport